Baukonzern Bilfinger Berger wehrt sich

GiNN-BerlinKontor.—Der zweitgrößte Bau- und Dienstleistungskonzern in Deutschland, Bilfinger Berger, wird wegen der Vorwürfe in Zusammenhang mit der Nord-Süd-Stadtbahn Köln intensive, interne Untersuchungen vornehmen.  Wie festgestellt, wurden an mehreren Baustellen Befestigungsanker nicht oder falsch eingebaut.  Bauprotokolle sollen gefälscht worden sein.  Die Befestigungsanker wurden angeblich auf dem  Schwarzmarkt verkauft .  Zudem wurden in einigen U-Bahnabschnitten in Köln 84 % (!)  der stabilisierenden Sicherungseisen verschwunden sein.

„Wir wollen sicherstellen, dass alle Projekte, korrekt ausgeführt worden sind“, versicherte  der Vorstandsvorsitzende Herbert BODNER, der gleichzeitiog Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie ist.  Die Staatsanwaltschaft Köln hatte dem Konzern  mitgeteilt, dass der Verdacht auf  “fehlerhafte Ankerprotokolle ” besteht.

Bodner teilte dem Kölner Oberbürgermeister Jürgen ROTERS in einem Schreiben mit, dass  Bilfinger Berger und die Partner der Arbeitsgemeinschaft (ARGE) an einer  “gründlichen und schonungslosen Ursachenforschung”  im Zusammenhang mit den jüngsten Vorfällen beim Bau der Kölner U-Bahn arbeiten. „Der Umgang mit den Schlitzwand-Vermessungsprotokollen ist völlig unakzeptabel und muss umfassend aufgeklärt werden“, schrieb Bodner an Roters.  Unabhängig davon sei  “aus heutiger Sicht festzustellen, dass es trotz fehlerhafter Messprotokolle an den Schlitzwänden zu keinen geometrischen Abweichungen gekommen ist, die die Standsicherheit gefährden”.

Bodner: “Der fehlende Einbau von Schubhaken an den Stoßstellen der Schlitzwandbewehrung ist für mich als Bauingenieur unbegreiflich und mir in meiner langjährigen Berufserfahrung noch nicht untergekommen.“

Die ARGE unterstützt die laufenden Ermittlungen ohne Einschränkung. Man sei nach intensiven Untersuchungen und Berechnungen  zu dem Ergebnis gekommen,  “dass die Bauwerke der Nord-Süd Stadtbahn Köln selbst unter der Annahme generell fehlender Schubhaken standsicher sind.” Vorsorglich würden jedoch weitere Sicherungsmaßnahmen ergriffen.

Neben bereits getroffenen personellen Maßnahmen würden nun gegenwärtig vor allem die Qualitätssicherungssysteme der ARGE überprüft.  „Durch enge Kooperation mit dem Auftraggeber und den beteiligten Behörden sowie durch offene Kommunikation möchten wir dazu beitragen, das Vertrauen in die Baumaßnahme wieder herzustellen“, betonte Bodner im Namen der ARGE.

Volker KEFER vom Vorstand der Deutschen Bahn (DB) – für die Sanierung des Bahn-Streckennetzes zuständig – forderte  “Bilfinger und Berger ultimativ auf, uns sofort alle Informationen offenzulegen, die eine Überprüfung konkreter Bauwerke ermöglichen.”  DB sieht die Schuld für die Vorfälle beim Bau der ICE-Trasse München-Nürnberg bei Bilfinger Berger.

Der mitbeschuldigte Baukonzern dagegen sieht kein Sicherheitsrisiko für die Strecke. “Es geht nicht um Tunnel und die Trasse selbst”, sagte B B-Vorstandschef Herbert Bodner.  Die Vorwürfe beträfen  “Bauwerke am Rande”, mit denen z.B. Hänge gesichert seien. Es gehe dabei um rund 500 Erdanker. Offenbar seien dort Messdaten verändert worden. Bodner sagte, bei einer Qualitätskontrolle unter anderem durch die DB habe es dennoch keine Beanstandungen gegeben. Insgesamt handle es sich um ein Auftragsvolumen von € 50 Millionen.

Einige “Statiker”  behaupten, die fehlenden Eisenteile hätten zum Einsturz des Kölner Stadtarchivs geführt, bei dem zwei Menschen getötet wurden.  Nach Medienberichten sind  Eisenanker  auch auf  ICE-Strecke Feucht-Großhöbing/Bayern entwendet und verkauft worden sein. Nun drängt sich die Frage auf:  Wo war die Bauaufsicht?

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