AIRBUS: 10 000 weniger Stellen “ohne Kündigungen”

GiNN-BerlinKontor.—Der Flugzeugbauer AIRBUS, größte Tochtergesellschaft der European Aeronautic Defence and Space Company (EADS), hat am 28.02. den Restrukturierungsplan POWER8 vorgestellt. Das AIRBUS-Management will die Kosten senken und die Liquidität erhöhen. Ab 2010 sollen die Maßnahmen zu einem EBIT-Betrag von € 2,1 Milliarden führen und von 2007 bis 2010 insgesamt € 5 Milliarden zusätzlichen Cash Flow freisetzen. Für Kündigungen gebe es “bislang keine Notwendigkeit”, obwohl AIRBUS im Lauf von vier Jahren die Gesamtbelegschaft um 10 000 verringern will.


Von den insgesamt 10 000 Arbeitsplätzen entfallen 3 700 auf Deutschland, 3 200 auf Frankreich, 1 600 auf Großbritannien, 400 auf Spanien und 1 100 auf die AIRBUS-Zentrale in Toulouse. Dazu heißt es: “5000 der genannten Stellen sind mit Zeitarbeitskräften oder Unterauftragsnehmern an den Standorten besetzt. Hier wird die Reduzierung sofort beginnen. Die Reduzierung weiterer 5000 Stellenb betrifft die AIRBUS-Belegschaft. Die Anpassungen sollen durch natürliche Fluktuation, ausgehandelte Modelle für freiwilliges Ausscheiden und weitere Modelle in den betroffenen Ländern erreicht vwerden. Bislang sieht das AIRBUS-Management keine Notwendigkeit für Entlassungen.”

Die Endmontage und Auslieferung des Großraumflugzeugs A 350 XWB finden in Toulouse statt. Die “Final Assembly Lines” werden ausgebaut. Hamburg darf zum Teil die Kabinenausstattung für den A 380 behalten und die A 320-Familie montieren.
EADS teilt dazu mit: “In Toulouse/Frankreich werden die Endmontage-Kapazitäten im Long-Range-Bereich weiter ausgebaut, da die A350XWB dort gebaut werden und ihre Innenausstattung erhalten wird. In Hamburg wird unverzüglich eine dritte Endmontagelinie für die A320-Familie eingerichtet. Sie wird auf alle Modelle dieser Flugzeugfamilie ausgelegt sein. So können dort zukünftig auch alle weiteren A320-Flugzeuge jenseits der monatlichen Produktionsrate von 14 Flugzeugen endmontiert werden. Darüber hinaus wird die Endmontage einer neuen Singe-Aisle-Familie in Hamburg erfolgen. Mit Blick auf verkürzte Zyklen sollen Teile am produktionstechnisch günstigsten Ort eingebaut werden. Deshalb wird ein Teil der Vorbereitungsarbeiten für die A380-Kabinenausstattung von Hamburg nach Toulouse verlagert. Die Kabinen- Ausstattung verbleibt in Hamburg und die A380 wird sowohl in Hamburg als auch in Toulouse ausgeliefert werden.”

AIRBUS will seine industrielle Struktur (Restructure Industrial Set-up) neu ordnen und ein “Netzwerk mit starken Partnern” aufbauen. Hierfür erwägt Airbus, an den Standorten in Filton, Méaulte und Nordenham industrielle Partnerschaften einzugehen. Dies soll den Standorten die Weiterentwicklung von der Metallverarbeitung hin zu Design- und Fertigungstechnologien für Verbundwerkstoffe erleichtern. Airbus soll für diese Standorte bereits Angebote möglicher Investoren erhalten haben.

EADS: “Die Standorte in Laupheim, St. Nazaire-Ville und Varel haben erhebliche und langfristige Arbeitsanteile an laufenden Flugzeugprogrammen wie der A320- und der A330/A340-Familie, der A380 und der A400M. Airbus wird in den kommenden Jahren nach realisierbaren Möglichkeiten für diese Standorte suchen. Optionen sind der Verkauf der Standorte an Hauptzulieferer, Management-Buy-Out oder die Zusammenlegung nahe gelegener Werke. Alle Möglichkeiten werden im Einzelfall geprüft. In der Zwischenzeit werden die Standorte ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern, indem schlanke Fertigungsprinzipien eingeführt und die Produktivität kontinuierlich verbessert wird”.

Gewerkschaften in Frankreich und in Deutschland kündigten “massive Flächenstreiks” an. „Wir planen einen europaweiten Aktionstag mit Streiks an allen Standorten in allen vier Ländern (Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Spanien) “, sagte Bernard GAILLANOU von der französischen Gewerkschaft CFDT (Confederation francaise démocratique travail) nach einem Treffen von Airbus-Arbeiter in Brüssel. Die Belegschaft des französischen Werkes Méaulte legte am 28.02. die Arbeit nieder. Auch im deutschen Werk Laupheim kam es zu spontanen Arbeitsniederlegungen.

Bundeswirtschaftsminister Michael GLOS (CSU): „Ich finde es richtig, dass wir in gemessener Form deutsche Interessen gewahrt haben.“ Das Sanierungsprogramm verteile sowohl die Lasten als auch die Zukunftstechnologien angemessen zwischen den beteiligten Ländern. „Die deutsche Seite wurde nicht über den Tisch gezogen“, sagte er. Die angekündigten Stellenstreichungen nannte Glos „schmerzhaft“. Er vertraue aber auf die Zusage, dass sie “sozialverträglich” gestaltet würden.

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