AIR BERLIN-Chef Hunold gibt auf

GiNN-BerlinKontor.—Joachim HUNOLD (61), Gründer und Vorstandschef der zweitgrößten Fluggesellschaft in Deutschland AIR BERLIN,  tritt zum 01. September 2011 als Chief Executive Officer (CEO) zurück. Hartmut MEHDORN (69), ehemaliger Bundesbahn-Chef, soll air Berlin zunächst ad interim leiten, teilt das Unternehmen am 18.08. mit. Mehrdorn leitete die Deutsche Bahn von 1999 bis 2009. Im Juli 2009 wurde Mehdorn in den Verwaltungsrat der Fluggesellschaft  (Board of Directors) der Air Berlin berufen. Seit 2011 sitzt Mehdorn im  Aufsichrsrat der Russischen Eisenbahn.

Hunold macht für die roten Zahlen seines Unternehmens die neue Luftverkehrssteuer, die hohen Ölpreise und  die Umwälzungen in Nordafrika verantwortlich. AIR BERLIN mußte das internationale Streckennetz verdünnen. Als Beispiel unrentabler und daher zu stornierender Strecken nannte Hunold  Frankfurt – Hamburg, Frankfurt – Neapel, Stuttgart – St. Petersburg, München – Kairo und Düsseldorf – Paris.

Für den airberlin-CEO ist die Luftverkehrssteuer verfassungswirdrig. „Die Luftverkehrsteuer verursacht eine dramatische Wettbewerbsverzerrung. In Relation zum Umsatz müssen wir fast viermal mehr als unser größter Wettbewerber zahlen“, betonte Hunold in einem Interview.

Joachim Hunold  sagte am 18.08. in Berlin,  eine bessere Auslastung, eine Verbesserung der Einnahmen pro Passagier und Kostensenkungen hätten nicht gereicht, um sowohl die höheren Belastungen durch die Luftverkehrsteuer und erhöhte Kerosinpreise als auch den durch die Unruhen in Nordafrika bedingten Rückgang des für die Fluggesellschaft wichtigen Ägyptengeschäfts aufzufangen. „Um profitabel zu werden, müssen wir Einschnitte in unser Streckennetz und in unserer Flotte vornehmen“, bestätigte Hunold

Als Opfer der Luftverkehrsteuer bezeichnete Hunold die Regionalflughäfen. So werde airberlin ihre Flüge von Münster/Osnabrück nach London, Wien und Sylt ebenso wenig aufrecht erhalten können, wie die Verbindungen von Köln/Bonn zu verschiedenen Destinationen in Marokko sowie nach Valencia. Darüber hinaus wird man über den Winter von Köln aus nicht mehr direkt mit airberlin nach Innsbruck, Neapel und Palermo kommen. Storniert wird die Strecke Hannover – London. Karlsruhe, Dresden und Basel verlieren ab November über den Winter ihre Direktverbindungen nach Palma de Mallorca. von Paderborn aus geht es nicht mehr nach London und Manchester. Außerdem werden Malaga und Alicante aus dem airberlin Programm von zahlreichen Flughäfen aus reduziert oder – wie Klagenfurt – zumindest über den Winter ganz aus dem Programm genommen. Erfurt wird als Standort ganz aufgegeben.

„Während airberlin bei einem Umsatz von € 1,8 Milliarden  im ersten Halbjahr rund € 74 Mio.  Luftverkehrsteuer (4,1 % vom Umsatz) abführen musste, waren es beim größten Wettbewerber in Deutschland bei einem Gesamtumsatz von rund € 14,1 Mrd. nur € 162 Mio.  (1,15 % vom Umsatz). Hunold: „Durch die Luftverkehrsteuer und den bestehenden Wettbewerbsdruck ist es unmöglich, zum Beispiel den gestiegenen Kerosinpreis vollständig an die Kunden weiterzugeben. Um den margenschwachen Luftverkehr in Deutschland nicht noch weiter zu beschädigen, muss die Luftverkehrsteuer so schnell wie möglich wieder abgeschafft werden.“

„Die geplanten Maßnahmen werden möglicherweise nicht ausreichen, um ein positives operatives Ergebnis zum Jahresende zu erreichen, weil einige der Einspareffekte erst im kommenden Jahr wirksam werden“, sagte Hunold.

airberlin CFO Ulf HÜTTMEYER üttmeyer betonte auf der PK, dass das Unternehmen auf gutem Weg zur Konsolidierung war. Im zweiten Quartal 2011 konnte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum der Yield (Erlös pro Passagier) um 6,5 % auf € 107,68 erhöht werden. Gleichzeitig verbesserte sich der Sitzladefaktor um 3,6 Prozentpunkte auf 77,4 %. Deutliche Fortschritte wurden auch bei der Kostenreduzierung (ohne Luftverkehrsabgabe und Kerosin) erzielt. Insgesamt mache dies eine Summe von rund € 111 Mio. Euro aus.

„Die Nachfrage nach den für unser Unternehmen so wichtigen touristischen Zielen in Nordafrika hat sich allerdings nach den Unruhen nicht wieder erholt.“ Als Beispiel nannte Hüttmeyer Ägypten, wohin airberlin normalerweise rund 80 Mal in der Woche flog.

Hüttemeyer: “Wochenlang wurde gar nicht geflogen und im März dieses Jahres begonnen, Ägypten wieder aufzunehmen. Ähnliches galt für Marokko und Tunesien. Insgesamt ergab sich im zweiten Quartal 2011 eine Kapazitätsreduzierung des Nordafrika-Angebots von 25 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.”  Allein diesen Ausfall bezifferte Hüttmeyer im zweiten Quartal mit € 20 Millionen. Zusammen mit dem zusätzlichen Aufwand durch die erhöhten Kerosinpreise von mindestens € 71 Mio.  und die Luftverkehrsteuer von rund € 45 Millionen waren dies “mindestens € 136 Millionen”.

Positiv entwickeln sich laut airberlin die Drehkreuze in Berlin und Düsseldorf. Ein Jahr vor Eröffnung des neuen Flughafens Berlin Brandenburg Willy Brandt (BER) bietet das airberlin Drehkreuz mit wöchentlich 9.000 Anschlussverbindungen so viele Umsteigemöglichkeiten wie nie zuvor. Im Juni 2011 betrug der Anteil der Umsteiger nach einem kontinuierlichen Wachstum 17 %, der bislang gemessene Tageshöchstwert lag bei rund 23 %. Ähnlich erfolgreich funktioniere das Drehkreuz in Düsseldorf, wo airberlin in den ersten sechs Monaten des Jahres 2011 das Passagiervolumen im Vergleich zum Vorjahr um 9 % steigern konnte. Im Juni betrug der Umsteigeanteil am Drehkreuz in Düsseldorf 16 %., der bislang gemessene Tageshöchstwert lag bei 20 %. Pro Woche wurden 4.400 Anschlussverbindungen angeboten.

Das Drehkreuz in Palma de Mallorca profitierte durch die in 2010 etablierte neue Hubstruktur. Die Anzahl der Verbindungen stieg im Sommer 2011 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 15 %.

Mit Beginn des Winterflugplans soll auch der Flughafen Wien stärker als Drehkreuz aufgebaut werden. So bietet die airberlin group mehr Umsteigeverbindungen und Frequenzen nach Osteuropa (Belgrad, Bukarest, Sofia) und auf der Nord-Süd-Achse (zum Beispiel Hamburg – Sofia) an sowie “bessere Abflugzeiten”.

Derr ehemailige „Sales und Marketing Director” bei der LTU Gruppe  Joachim Hunold gründete im April 1991 die  Air Berlin GmbH & Co. Luftverkehrs KG  und übernahm später die airberlin, Inc. Seither ist er Chef der airberlin group, zunächst als geschäftsführender Gesellschafter, seit der Schaffung der neuen Holdingstruktur mit Wirkung zum 1. Januar 2006 als deren CEO. (Quelle: airberlin.unternehmen.com)

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