60 Jahre Zentralrat der Juden in Deutschland

GiNN-BerlinKontor.-–Der Zentralrat der Juden in Deutschland feiert  am 19.Juli  sein 60. Jubiläum. Der ZdJ ist die größte Dachorganisation der jüdischen Gemeinden und Landesverbände in Deutschland und deren politische Vertretung. Er wurde in Frankfurt am Main gegründet. Derzeit gehören dem Zentralrat 23 Landesverbände mit insgesamt 107 jüdischen Gemeinden mit etwa 106.000 Mitgliedern dem Zentralrat an.  Sitz des ZdJ ist seit dem 1. April 1999 das Leo-Baeck-Haus in Berlin.

Bundeskanzlerin Angela MERKEL sandte an die Prääsidentin des Zentralrates der Juden folgendes Glückwunschschreiben: “Zum 60jährigen Bestehen des Zentralrats der Juden in Deutschland gratuliere ich Ihnen, Ihren Mitgliedern und Unterstützern von ganzem Herzen. Möge das Jubiläum ganz im Zeichen anerkennender Rückschau und zuversichtlichen Ausblicks stehen.

Bei seiner Gründung zweifelten noch viele an der Dauerhaftigkeit des Zentralrats. Ob jüdisches Leben nach dem Zivilisationsbruch der Schoa in Deutschland wieder möglich sein könne, war stark umstritten. Umso dankbarer schaue ich auf die vergangenen sechs Jahrzehnte zurück. Der Zentralrat der Juden hat maßgeblich dazu beigetragen, dass jüdisches Leben in seiner Vielfalt ein fester Bestandteil lebendiger deutscher Kultur bleiben konnte. Immer war der Zentralrat der Juden auch ein verlässlicher Ansprechpartner.

Ich freue mich über das gute Miteinander und setze fest auf eine fruchtbare Zukunft der Zusammenarbeit – zum Wohle der jüdischen Gemeinden und aller Menschen hierzulande.”

CSU-Chef Horst SEEHOFER, Bayserischer Ministerpräsident, erklärte:  “In den sechs Jahrzehnten seines Bestehens hat der Zentralrat immer wieder zu wichtigen politischen und gesellschaftlichen Fragen Stellung bezogen, den politischen Diskurs in Deutschland mitgeprägt und bereichert”.

Auch der SPD-Vorsitzende Sigmar GABRIEL gratulierte: Das Jubiläum sei “ein Grund zur Freude – nicht nur für jene, die sich in Deutschland zum jüdischen Glauben bekennen, sondern für alle Bürgerinnen und Bürger unseres Landes.”

Gabriel erinnerte daran, dass  “das jüdische Leben in Deutschland nur wenige Jahrzehnte nach dem einmaligen verbrecherischen Zivilisationsbruch des Holocausts heute wieder in so reicher, vielfältiger Blüte steht, wäre ohne die 60 Jahre andauernde, beharrliche Arbeit des Zentralrats der Juden in Deutschland nicht möglich gewesen.” Deutschland habe allen Grund, dankbar dafür zu sein.  “Deshalb ist Ihr Jubiläum  ein Grund zur Freude – nicht nur für jene, die sich in Deutschland zum jüdischen Glauben bekennen, sondern für alle Bürgerinnen und Bürger unseres Landes.”Gabriel weiter: “Die deutsche Sozialdemokratie war und ist vielen Juden eine politische Heimat. Darauf sind wir stolz. Und wir sind froh über die guten, freundschaftlichen Kontakte zum Zentralrat der Juden in Deutschland, die wir weiter vertiefen und intensivieren wollen. Ich wünsche dem Zentralrat der Juden in Deutschland, dass er diese Debatten klug leiten und Judentum und jüdisches Leben in unserem Land weiter stärken möge.”

“Die Öffentlichkeit nimmt uns oft nur in zwei Rollen wahr: als traurige Opfer von früher oder als lästige Dauermahner von heute”, sagte Vizepräsident Dieter GRAUMANN. Aus dieser “Dauermeckerecke” wolle er heraus.  Die Erinnerung an den Holocaust werde zwar im Zentrum bleiben, es solle aber das Judentum stärker als politische und religiöse Kraftquelle thematisiert werden.

Nach dem Niedergang der  Sowjetunion 1990 veränderte sich  das Judentum in Deutschland nachhaltig.  Durch die Zuwanderung aus dem Osten stieg die Zahl der Juden in Deutschland auf mehr als das Vierfache an. Die Zuwanderung von etwa 75.000 Juden aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion stellte den Zentralrat vor neue Herausforderungen und Aufgaben.  Die zugewanderten Juden aus dem Osten wurden  nach dem  “Königsteiner Schlüssel”, der hauptsächlich die Einwohnerzahl wiederspiegelt, fanden ihre neue Heimat in den deutschen Bundesländern.

Der Dachverband ZdJ wurde somit zum zentralen Organ einer  “veränderten” jüdischen Bevölkerung. Heute steht der Zentralrat als Spitzenorganisation für “eine lebhafte und mit Potenzial und Perspektive für die Zukunft ausgestattete Gemeinschaft”, sagte Generalsekretär Stephan KRAMER.

Mit der Gründung am 19.07.1950 sah der ZdJ zunächst seine Hauptaufgabe darin,  auf die Gesetzgebung zur Wiedergutmachung des nationalsozialistischen Unrechts einzuwirken. Später wurden der Kampf gegen den Antisemitismus, die Unterstützung einer Annäherung zwischen Deutschland und dem Staat Israel und die Förderung der Arbeit der Mitgliedsgemeinden und Landesverbände zu wichtigeren Aufgaben – ebenso aber auch der engagierte Einsatz für das gegenseitige Verständnis von Juden und Nichtjuden.

Nach dem Mauerfall und mit der deutschen Wiedervereinigung 1990 bildete die Zusammenführung der jüdischen Gemeinden in Ost und West einen weiteren Schwerpunkt.

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