“2012 entscheidet sich Schicksal der Währungsunion”

GiNN-BerlinKontor.—Der Präsident der DEUTSCHEN BUNDESBANK, Jens WEIDMANN,  hat zur Eröffnung der Deutschen Börse am 24.01. erklärt, manche bezeichneten 2012 als das “Jahr der Entscheidung über das Schicksal der Währungsunion”. Dies klinge dramatisch und blende jedoch aus, dass sich  “die Krise nicht in einem geschickten Schachzug überwinden lässt, dass deren Überwindung einen langen Atem erfordert”, so Weidmann. Aber eines sollte doch 2012 gelingen: Die Weichen richtig zu stellen. Wir sollten in Europa die Chance nutzen, einen Paradigmenwechsel einzuleiten in Bezug auf den Umgang mit Schulden und Verschuldung. Das müssen wir 2012 schaffen – nicht mehr und nicht weniger.” Die Politik müsse in diesem Jahr  “unter Beweis stellen, dass sie es ernst damit meint, die notwendigen und teils schon in die Wege geleiteten Maßnahmen zur Überwindung der Krise umzusetzen.”

Weidmann optimistiscch: “Lassen Sie uns Mut fassen: 2012 muss kein schlechtes Jahr werden. Auf jeden Fall ist es ein entscheidendes Jahr, ein Jahr in dem wir die Chance haben, in Europa eine Wende zum Besseren durchzusetzen. Diese Chance sollten wir nutzen. Immerhin, in den ersten Wochen ist Hoffnung aufgekeimt. Die Lage an den Finanzmärkten hat sich etwas entspannt. Fast hat es den Anschein, als sollte allmählich etwas Vertrauen zurückkehren, auch wenn die Ungewissheiten noch immer groß sind.”

Die deutsche Wirtschaft befinde sich grundsätzlich in einer sehr guten Verfassung, sagte der Bundesbank-Präsident. Der Unternehmenssektor (von der Ertragslage und Eigenkapitalbasis her gesehen) sei  derzeit sogar noch besser aufgestellt als vor der Finanzkrise. Die historisch niedrigen Arbeitslosenzahlen  trügen zudem  dazu bei, dass der Aufschwung vor allem von binnenwirtschaftlichen Wachstumskräften getragen wird. Diese wiederum könnten ein Gegengewicht zu möglicherweise schwächeren Exporten bilden.

Vor diesem Hintergrund hält die BUNDESBANK den wirtschaftlichen Aufschwung, den Deutschland in den vergangenen beiden Jahren erlebt hat, keineswegs für beendet, so Weidmann. Er sei zwar vorläufig unterbrochen, doch dürfte der konjunkturelle Schwung im Verlauf des Jahres zurückkehren, sofern sich die Krise nicht weiter verschärft. Dann dürfte auch die Weltwirtschaft wieder an Dynamik gewinnen, zumal die Geldpolitik vielerorts konjunkturstützend wirkt.

“Unter diesen Annahmen, die auch der Bundesbankprognose zugrunde liegen, könnte das reale Bruttoinlandsprodukt im Jahresdurchschnitt 2012 um 0,6 % wachsen – mit stärkerer Dynamik zum Jahresende hin. 2013 dürfte dann sogar eine Wachstumsrate von 1,8 % möglich sein. Vor diesem Hintergrund halte ich die jüngst veröffentlichten Zahlen des IWF zum Wachstum in Deutschland für zu pessimistisch”, untestrich Weidmann.

Weirter führte der BUNDESBANK-Präsident aus: “Fünf Dinge sind dazu meines Erachtens erforderlich:
Erstens ist von den einzelnen EWU-Mitgliedstaaten ein klares und glaubwürdiges politisches Bekenntnis zu soliden Staatsfinanzen unabdingbar, und zwar in Wort und Tat. Dies betrifft insbesondere die Länder, die von Vertrauensverlusten bedroht sind.

Zweitens muss die Politik einen konsistenten Rahmen für die Währungsunion aufzeigen und auch entschlossen umsetzen. Eine Ausweitung der Haftung kann nur erfolgen, wenn auch entsprechende Eingriffsmöglichkeiten bei Fehlentwicklungen vorhanden sind.

Drittens muss künftig vermieden werden, dass es in einzelnen Ländern zu systembedrohenden gesamtwirtschaftlichen Fehlentwicklungen kommt. Die Verhinderung gravierender Ungleichgewichte darf aber nicht in den Versuch ausarten, eine europäische Feinsteuerung der Wirtschaftsprozesse zu erreichen..

Viertens muss das gesetzlich verankerte Mandat des Eurosystems, Preisniveaustabilität zu gewährleisten, unangetastet bleiben. Die Geldpolitik darf nicht weiterem Druck ausgesetzt sein, Risiken zu übernehmen und auch zwischen den Mitgliedstaaten umzuverteilen.

Fünftens ist für eine nachhaltige Bewältigung der Krise entscheidend, dass die Krisenresistenz der Finanzmarktteilnehmer gestärkt wird. Hierzu ist kurzfristig die Stärkung des Eigenkapitals der Banken erforderlich, in der langen Frist bedarf es einer entschlossenen und zügigen Umsetzung der Finanzmarktreformen.

In der Bewältigung der Staatschuldenkrise und Umsetzung der Finanzmarktreformen – siehtv Weidmann die großen wirtschaftspolitischen Herausforderungen des neuen Jahres.
Sowohl die Entwicklung an den Finanzmärkten als auch der Konjunkturverlauf würden  “ganz entscheidend davon beeinflusst, ob eine nachhaltige Überwindung der Krise gelingt”, sagte der Bundesbank-Präsident Weimann zur Eröffnung der DEUTSCHEN BÖRSE.

Mit Blick auf die Bewältigung der Staatsschuldenkrise müssten sich die Staaten der Währungsunion  “unumkehrbar auf eine neue gemeinsame Stabilitätskultur verpflichten, betonte Weidmann. Verloren gegangenes Vertrauen könne iedergewonnen werden – aber das ist ein mühevoller Prozess. In diesem Jahr werde es entscheidend darauf ankommen, dass den Vereinbarungen Taten folgen. “Denn die erfolgreiche Bewältigung der Krise ist nicht nur eine wichtige Voraussetzung dafür, dass das Vertrauen an den Finanzmärkten zurückkehrt, sie wird auch die konjunkturelle Entwicklung 2012 entscheidend prägen.” (Quelle: bundesbank.de/presse)

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

* Copy this password:

* Type or paste password here:

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>