20.07.2008
« älter Artikel neuerer Artikel »US-Finanzkrise weitet sich aus
GiNN-BerlinKontor.—Merrill Lynch & Co., Inc., eines der führenden Finanzdienstleistungsunternehmen der Welt mit Sitz in New York City mußte US-$ 9,7 Millarden abschreiben. Auch die drittgrößte US-Investmentbank ML verbuchte einen Quartalsverlust von US-$ 4,65 Milliarden.
Merrill Lynch war vor Beginn der Kreditkrise einer der größten Spieler im Bereich der Collateralised Debt Obligations (=CDO*), das sind strukturierte Anleihenprodukte, die vor allem mit Subprime-Hypotheken unterlegt waren. Der Werte dieser Papaier fiel bekantlich nach dem Einbruch des US-Häusermarkts rapide, da viele dieser Schuldner mit schlechter Bonität ihre Darlehensraten nicht zahlen können. Allein auf CDOs hat Merrill Lynch im vergangenen Quartal US-$ 3,5 Milliarden abgeschrieben.
ML verkaufte zudem umfangreiche Vermögenswerte so z.B. den Anteil an dem internationalen Wirtschafts- und Finanzen-Nachrichten-TV-Sender Boomberg für US-$ 4,43 Milliarden, um den Quartalsverlust abzudecken. Der Konzern will zudem einen Teil seiner Finanzdienstleistungstocher Financial Data Services veräußern, um die Kapitalbasis zu stärken.
*)CDOs sind Wertpapiere, die durch einen Pool diversifizierter Vermögensgegenstände besichert sind (Asset Backed Securities). Diese Vermögensgegenstände sind entweder ein Pool von Forderungen in Form von Anleihen (in sog. Collateralised Bond Obligations = CBO), Krediten (in sog. Collateralised Loan Obligations = CLO), Credit Default Swaps oder eine Mischung daraus. Die Produktbezeichnung CDO ist der Oberbegriff. Die Finanzierung der Forderungen erfolgt durch die Emission von Anleihe- und sog. “Equity”-Tranchen mit unterschiedlicher Rangigkeit.
Nun wartet man auf die “schlußendlichen Reaktionen” auf die US-$ 100 Mrd.- Steuersenkungen und - Schecks. Tatsache aber bleibt, dass die Probleme im Kreditbereich vom Hypothekensegment bereits auf andere Sektoren - Auto- und Kreditkartenkredite - übergesprungen sind.
Die Krise weitet sich aus. Die Bundespolizei FBI ermittelt, ob die US-Bank IndyMac “mit kriminellen Methoden” in den Konkurs getrieben wurde. Die Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC) und das Office of Thrift Supervision (OTS) übernahmen als “Conservator” die Kontrolle der IndyMac. FBI-Beamte gehen inzwischen dem Verdacht nach, dass die Bank seinen Klienten “bewußt dubiose Darlehen” verkauft hat.
Die US-Notenbank „Fed“ hat bereits Milliarden von US-Dollar in die Geldmärkte pumpen müssen, um die Banken „flüssig“ zu halten. Dadurch wurde die Geldmenge ohne Gegenwert vermehrt – die logische Konsequenz war/ist eine beschleunigte Entwertung des Dollars.
Aus der Fed kommen Signale, die auf eine erneute Zinserhöhung hindeuten. Auch die US-Notenbank sorgt sich zunehmend um die hohe Teuerunsrate. Auch die Verbraucherpreise in USA waren im Juni 2008 deutlich um 5 % im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen. Damit erreichte die Inflation in den USA den höchsten Stand seit 1991. Dennoch heißt es: “Es ist alles unter Kontrolle.”
am 29. Jul. 2008
[…] Die Krise in der globalen Finanzwelt ist noch nicht zu Ende. Eine der Banken, die es vor einiger Zeit kräftig durchgeschüttelt hat, ist die US-Investmentbank Merrill Lynch. Inzwischen stehen über 40 Milliarden US Dollar an Abschreibungen in den Büchern der drittgrößten Investmentbank der USA. Erst vor wenigen Tagen wurde das Ergebnis des zweiten Quartals bekannt gegeben. Neun Milliarden US Dollar an Abschreibungen und Wertberichtigungen haben schließlich zu einem Verlustgeschäft von 4,9 Milliarden dieses Jahres gesorgt. […]
am 5. Nov. 2008
[…] Ganz besonders zu kämpfen haben wird in Zukunft die Automobilbranche, die zu Zeiten der Finanzkrise vor einem Produktionsrückgang und folglich Stellenstreichungen steht. Es ist nicht unbedingt die Kauflust, die bei der Bevölkerung zurückgeht. Vorherrschender Grund ist vielmehr das finanzielle Bedenken der potenziellen Käufer. Aufgrund der aktuellen Lage kommen viele wieder auf die Idee, Erspartes wie damals Oma oder Mutti unter dem Kopfkissen zu verstauen oder in Form von Tagesgeld bzw. Festgeld anzulegen, anstatt neue Anschaffungen zu finanzieren – ein Umstand, den die Autobanken als erstes merken, denn bei ihnen gehen die Anträge für neue Autokredite oder das so beliebte Leasing unmittelbar zurück. […]