02.09.2007
« älter Artikel neuerer Artikel »Deutsche Bank-Chef kritisiert Banken-Management
GiNN-BerlinKontor.—Josef ACKERMANN (59), DEUTSCHE BANK-Vorsitzender des Vorstands, hat sich erstmals zu den eklatanten Verlustinvestitionen der Deutschen Industriebank (IKB) und der Sachsen LB geäußert. Im HANDELSBLATT (03.09.) schreibt er, die Risiken, die manche Banken und Investoren offenkundig eingingen - in der Bilanz und außerhalb - standen nicht in einem angemessenen Verhältnis zur Größe und Risikotragfähigkeit dieser Akteure.” Das Risikomanagement sei nicht überall ausreichend gewesen. “Dies ist - um es klar zu sagen - vor allem ein Versäumnis des Managements dieser Häuser”, so Ackermann. Gleichzeitig hätten sich die Investoren zu sehr auf das Urteil der Rating-Agenturen verlassen. Deren Bonitätseinstufung könne aber immer nur ein Element in der Risikoanalyse sein und kein Ersatz dafür.
Ackermann kritisierte weiter, das überraschende Auftauchen der Risiken durch zweitklassige Immobiliendarlehen bei deutschen Regional- und Spezialbanken habe gezeigt, dass es “Aufsichtsbehörden ebenso wie Markt-Teilnehmern an Transparenz über die Verteilung der Kredit-Risiken im internationalen Finanzsystem mangelt”. Der Deutsche Bank-Chef fordert verstärkte Anstrengungen der Banken bei der Risikobewertung ihrer Geschäftspartner und eine engere Kooperation der nationalen Aufsichtsbehörden beim Austausch von Informationen. Für besonders wichtig hält es Ackermann, das “Management von Liquiditätsrisiken zu verbessern”.
Ackermann warnt jedoch davor, in Panik zu verfallen. Für eine “Kreditklemme” gebe es bei der großen Mehrzahl der Unternehmen und Verbraucher keine Anzeichen. Das Wachstum - besonders der private Verbrauch in den USA - werde aber unter der Immobilienkrise leiden. “Und das wird natürlich nicht ohne Rückwirkungen auf die Weltwirtschaft insgesamt bleiben”, meint Ackermann. Diese würden sich aber voraussichtlich in Grenzen halten.
Die Deutsche Bank hatte vor kurzem mitgeteilt, dass sie Alan GREENSPAN, den langjährigen Vorsitzenden der US-amerikanischen Notenbank (Federal Reserve Board), als “Senior Advisor” unter Vertrag genommen hat. Er wird - so die DN - im Bereich “Investment Banking seine Sicht der Dinge in Bezug auf aktuelle und künftige Entwicklungen auf den Weltfinanzmärkten teilen”.
Josef Ackermann, Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Bank, sagte dazu: “Wir freuen uns, dass wir unseren Kunden im Investment Banking Zugang zur profunden Marktkenntnis von Alan Greenspan bieten können. Als einer der Architekten des heutigen Finanzsystems ist Alan Greenspan in einer einzigartigen Position, um unsere Kunden bei wichtigen risikobezogenen Entscheidungen zu unterstützen.”
Alan Greenspan sagte: “Die Deutsche Bank gehört zu den weltweit führenden Instituten im Investment Banking und ist ein bedeutender Akteur auf den internationalen Finanzmärkten. Ich freue mich, der Bank meine Analyse weltwirtschaftlicher Entwicklungen zur Verfügung zu stellen und ihr bei der Beratung ihrer Kunden zu helfen.”
Der DEUTSCHE BANK-Chef Ackermann ist verantwortlich für Corporate and Investment Bank, Private Clients and Asset Management, Corporate Investments, Regional Management sowie Corporate Communications, Corporate Social Responsibility, Corporate Development und Volkswirtschaft. Der Schweizer Banker ist seit dem 22. Mai 2002 Vorstandsvorsitzender.
am 4. Sep. 2007
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